Sendepause abgewendet – auch auf UKW weiter ungestört Radiohören

Keine Musik, keine Nachrichten mehr aus dem Küchenradio und im Auto? Für viele mag es eine Horrorvorstellung gewesen sein. Eine Sendepause drohte vielen UKW-Sendern, weil es Streit hinter den Kulissen gibt. Es geht wie so oft ums Geld.

Obwohl es seit Jahren auch Digitalradio gibt, hängen die Menschen in Deutschland an ihrem UKW-Radio – das hat diesen aktuellen Streit erst möglich gemacht: Neun von zehn Menschen empfangen ihren Lieblingssender auf diesem Weg. Damit der Ton aus dem Sendestudio auch ins Ohr der Hörer findet, braucht es eine ganze Menge Technik. Manchen Sendern gehören die Sendemasten, von denen ihr Programm ausgestrahlt wird – die sind fein raus. Viele andere Sender haben aber keine eigenen Antennen, sondern sie haben Sendernetzbetreiber beauftragt (beispielsweise die Firmen Uplink und Divicon). Die wiederum handeln mit den Antennen-Besitzern die Preise aus.

Die Firma Media Broadcast hat einmal alle UKW-Sendemasten in Deutschland betrieben, sie aber jetzt verkauft – an Finanzinvestoren. Diese haben dann Rechnungen verschickt – viel höhere Rechnungen als die Sender früher bezahlen mussten. Etwa 40 Sender haben sich geweigert, die Rechnungen zu bezahlen. Es drohte ein Sendeloch. Mehr als zehn Millionen Hörer wären betroffen gewesen. Stumm geblieben wäre beispielsweise der NDR in Mecklenburg-Vorpommern, der MDR und das Deutschlandradio – genauso wie die privaten Sender FFH, Big FM und Radio NRW.

Wer nun künftig wieviel bezahlen muss, das ist immer noch offen. Allerdings ist vorerst gesichert, dass die Sender wie bisher auch über UKW zu empfangen sind. Wolfgang Breuer, der Geschäftsführer der Media Broadcast, lässt sich mit den Worten zitieren: „Wir haben alles in unserer Macht Stehende getan, die kurzfristige massive UKW-Abschaltung von über 40 öffentlich-rechtlichen und privaten Radioprogrammen zu verhindern.“ Bis Ende Juni haben alle Seiten nun Zeit, sich darüber zu einigen, wie viel die Antennen-Besitzer kassieren dürfen. Dann droht er erneut, der UKW-Blackout. Media Broadcast-Chef Breuer wörtlich: „Wir erwarten, dass die eigentlichen Vertragsparteien spätestens bis dahin ihrer Verantwortung für einen unterbrechungsfreien Sendebetrieb gerecht werden.“

Die betroffenen Sender sind erleichtert. So freut sich Michael Rombach, der Produktionsdirektor des NDR: „Das eine gute Nachricht für unsere Hörerinnen und Hörer in Mecklenburg-Vorpommern.“ Er appelliert an alle Beteiligten, „die nun zur Verfügung stehende Zeit von knapp drei Monaten konstruktiv und mit dem Ziel einer dauerhaft stabilen Lösung zu nutzen“.

Doch ganz spurlos ist der Streit an den Beteiligten nicht vorbeigegangen. Richtig wütend ist zum Beispiel der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR), Felix Kovac. Er wirft der Media Broadcast vor, „die zum großen Teil noch aus Zeiten der Bundespost stammende UKW-Infrastruktur zum reinen Spekulationsobjekt“ gemacht zu haben. Private und öffentlich-rechtliche Radioveranstalter sowie ihre Dienstleister würden „erpresst, nicht-marktkonforme Verbreitungskosten zu bezahlen“.

Früher hatte die Bundesnetzagentur die Entgelte reguliert, ein von Media Broadcast im vergangenen Jahr vorgelegtes Preismodell hatte die Behörde nicht akzeptiert. Daraufhin hatte Media Broadcast angekündigt, die Antennen-Infrastruktur an Finanzinvestoren zu verkaufen. Der APR-Chef fordert Bund und Länder nun auf, die Konsequenzen zu ziehen. „Wir erleben kein Spezialproblem von UKW, die strukturellen Probleme sind beim digitalen Radio DAB+ und bei DVB-T völlig gleich“, so Kovac. Er verweist auch darauf, dass das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) das Radio im Katastrophenfall für wichtig hält – „etwa wenn Mobilfunknetze in die Knie gehen“.

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