Rundfunkgeschichte: Audio-History vom 12.10.

Es klingt wie eine Lizenz zum Gelddrucken – doch es kommt anders: Der Autobauer Chrysler stellt am 12. Oktober 1955 ein Audiosystem für’s Auto vor, vollmundig als „das weltweit erste Soundsystem“ angekündigt. Der „Highway Hi-Fi Record Player“ ist ein Schallplattenspieler, der unter dem Armaturenbrett eingebaut wird.

Entwickelt wird das Gerät von Dr. Peter Goldmark, dem Leiter der CBS-Labore, der auch die Langspielplatte entwickelt hat. Eine Zeit lang ist der Highway Hi-Fi ab Werk in neuen Chrysler-Produkten erhältlich. Es wird ein absoluter Misserfolg.

Zu dieser Zeit konkurrieren nämlich zwei Unternehmen und mit ihnen zwei Schallplattenformate miteinander: CBS mit der LP und RCA, das Single mit
45 Umdrehungen pro Minute erfand. Dieses Format ist viel handlicher als eine große Langspielplatte, aber da nur auf jede Seite ein Song passt, muss die Platte alle drei oder vier Minuten gewechselt werden. Die Langspielplatte mit 33 Umdrehungen pro Minute fasst 23 Minuten Musik pro Seite, aber sie ist deutlich größer.

Dr. Goldmark ist wie besessen von diesem Problem und entwickelt ein neues Schallplattenformat und einen speziellen Plattenspieler, die beide für den Platz im Auto optimiert sind. Er erfindet ein Mikrorillenformat und verlangsamt den Plattenteller. So kann auf eine nur sieben Zoll große Scheibe genausoviel Musik gepresst werden wie auf eine reguläre Langspielplatte. Doch was tun gegen hüpfende Tonarme, wenn ein Auto über ein Schlagloch fährt? Er kombiniert ein gefedertes Gehäuse um den Plattenteller mit einem erhöhten Druck der Abtastnadel. Die Schallplatte hüpft nicht mehr.

Doch die Führung von CBS hat Angst, dass Plattenspieler im Auto dazu führen könnten, dass ihre Radiohörer nur noch Platten hören und nicht mehr Radio mit Werbung. Doch Dr. Goldmark gibt nicht auf. Da er das Probesystem in seinen eigenen Chrysler eingebaut hat, fährt er damit nach Detroit und führt es vor. Das System funktioniert so gut, dass Chrysler es kauft und für das Modelljahr 1956 als „Highway Hi-Fi“
vermarktet.

Aber dann klappt nichts mehr. Denn die Techniker des Autobauers justieren das System nicht so fein aus wie Dr. Goldmark in seinem eigenen Wagen. Und manche Chrysler haben auch weniger gut gefederte Fahrwerke. Die Schallplatten hüpfen und hüpfen.

Und es gibt ein Problem mit dem Content, wie man heute sagt: Die speziellen Sieben-Zoll-Ultra-Mikrorillen-Schallplatten, die erforderlich sind, werden nur von CBS/Columbia produziert – und die setzten auf Klassik und Jazz. Insgesamt sind nur 42 Schallplatten erhältlich – Rock ’n‘ Roll oder R&B fehlt ganz. Das System floppt.

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